Der Vagusnerv – wenn dein Körper mit dir spricht
Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Dein Kopf weiß eigentlich, dass alles gut ist – und trotzdem bleibt da eine innere Unruhe.
Der Atem fließt nicht frei. Der Körper steht unter Spannung, auch wenn der Tag längst vorbei ist.
Viele Menschen erleben genau das. Und oft glauben wir, wir müssten nur „besser abschalten“, uns mehr zusammenreißen oder entspannter denken.
Doch unser Körper folgt anderen Gesetzen als unser Verstand.
Eine zentrale Rolle spielt dabei ein Nerv, von dem viele zum ersten Mal hören – und der doch jeden Moment unseres Lebens begleitet:
der Vagusnerv.
Was ist der Vagusnerv – ganz einfach erklärt
Der Vagusnerv ist Teil unseres vegetativen Nervensystems. Er verbindet Gehirn, Herz, Lunge, Bauchraum und viele weitere Organe miteinander.
Man könnte sagen: Er ist eine innere Kommunikationslinie zwischen Kopf und Bauch.
Seine wichtigste Aufgabe ist es, unserem System zu vermitteln, ob wir gerade in Sicherheit sind. Wenn der Vagusnerv gut aktiviert ist, kann der Körper in den Ruhe- und Regenerationsmodus wechseln: Der Atem wird tiefer, die Verdauung kommt in Gang, das Herz schlägt ruhiger, wir fühlen uns verbunden – mit uns selbst und mit anderen.
Ist dieser Nerv jedoch dauerhaft unterfordert oder blockiert, bleibt der Körper oft in einer Art innerem Alarmzustand. Auch dann, wenn äußerlich eigentlich alles ruhig erscheint.
Dein Körper ist nicht gegen dich – er ist intelligent
In meinen Coachings, Kursen, Workshops und Retreats spreche ich oft von Körperintelligenz. Damit meine ich die tiefe Weisheit, die in unserem Körper lebt – unabhängig davon, was wir denken oder glauben.
Der Vagusnerv ist ein Teil dieser Intelligenz. Er bewertet nicht, er urteilt nicht. Er reagiert auf Erfahrung.
Viele Menschen versuchen, sich über Gedanken zu beruhigen: „Es ist doch alles okay.“ Doch der Körper lässt sich nicht überzeugen – er möchte erlebt werden. Die Arbeit mit dem Vagusnerv bedeutet deshalb nicht, etwas zu erzwingen. Sondern zuzuhören. Dem Atem. Den Empfindungen. Den feinen Signalen im Inneren.
Wie zeigt sich ein überlastetes Nervensystem im Alltag?
Ein dysreguliertes Nervensystem kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Oft ganz leise – und genau deshalb übersehen wir es.
Vielleicht erkennst du dich in einem dieser Punkte wieder:
Du fühlst dich häufig angespannt, obwohl du Pausen machst.
Dein Atem ist eher flach als frei.
Du bist schnell erschöpft oder reizüberflutet.
Es fällt dir schwer, wirklich zur Ruhe zu kommen.
Du fühlst dich manchmal „nicht ganz da“ in deinem Körper.
Das sind keine Zeichen von Schwäche. Es sind Zeichen dafür, dass dein System nach Sicherheit und Regulation sucht.
Warum Yoga, Atem und sanfte Körperarbeit so wirksam sind
Der Vagusnerv reagiert nicht auf Leistung oder Druck. Er reagiert auf Rhythmus, Langsamkeit, Berührung, Atem und Präsenz.
Deshalb wirken sanfte Yogapraktiken, bewusste Atmung, Yin Yoga, Meditation und somatische Bewegungen so tief. Nicht, weil wir etwas „richtig machen“, sondern weil wir dem Körper erlauben, wieder in seinen natürlichen Zustand zurückzufinden. Wenn wir uns langsam bewegen, den Atem bewusst wahrnehmen und uns selbst freundlich begegnen, entsteht ein innerer Raum. Ein Raum, in dem das Nervensystem loslassen darf.
Eine kleine Vagusnerv-Übung für deinen Alltag
Diese Übung ist einfach und braucht nur wenige Minuten. Du kannst sie jederzeit durchführen – morgens, zwischendurch oder abends.
So geht’s:
Setze oder lege dich bequem hin. Lege eine Hand auf dein Herz und eine auf deinen Bauch.
Atme ruhig durch die Nase ein. Lass den Atem sanft bis in den Bauch fließen.
Beim Ausatmen öffne leicht den Mund und lasse ein leises, langes „Hmmm“ oder „Ahhh“ entstehen – ganz ohne Druck.
Spüre die Vibration im Brustraum, im Hals, im Gesicht. Bleibe für 5–10 Atemzüge dabei.
Danach halte einen Moment inne. Spüre nach.
Diese sanfte Stimm- und Atemarbeit stimuliert den Vagusnerv und signalisiert dem Körper:
”Du bist sicher. Du darfst entspannen.”
Vagusnerv-Arbeit im Green Love Yoga
In meinen Yogastunden, Workshops und Coachings geht es nicht darum, etwas zu erreichen. Es geht darum, wieder in Beziehung zu kommen – mit deinem Körper, deinem Atem, deinem inneren Erleben. Viele Menschen berichten nach der Praxis von einem Gefühl tiefer Ruhe, von Weite im Brustraum oder davon, sich endlich wieder „bei sich“ zu fühlen. Genau hier beginnt die Regulation des Nervensystems. Und genau hier beginnt echte Veränderung. Der Körper erinnert sich oft schneller als der Verstand.
Eine Einladung an Dich in Verbindung zu bleiben – auf deinem Weg
Vielleicht ist dieser Text deine erste Begegnung mit dem Thema Vagusnerv.
Vielleicht auch eine Erinnerung daran, dass dein Körper längst weiß, was er braucht.
Wenn du spürst, dass dein System nach mehr Ruhe, mehr Tiefe und mehr Verbindung ruft,
lade ich dich ein, diese Erfahrung nicht nur zu lesen – sondern sie selbst zu erleben.
In der Bewegung.
Im Atem.
Im stillen Gespräch mit deinem Körper.
Von Herzen,
Steffi